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TU Berlin

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Prof. Dr. Jan-Peter Voß

Lupe [1]

Fachgebietsleitung

Technische Universität Berlin
Fakultät VI: Planen Bauen Umwelt
Institut für Soziologie

Fraunhoferstraße 33-36
Sekretariatszeichen FH 9-1
10587 Berlin

jan-peter.voss@​tu-berlin.de [2]

Tel.:    +49 (0)30 / 314 - 25848
Fax.:   +49 (0)30 / 314 - 22654
Raum: FH 917

Online-Sprechstunde für Studierende per Zoom, tu-berlin.zoom.us/j/92336868833 [3] Passwort: 00404724. 

Anmeldung für Termine bis Dezember 2020: doodle.com/poll/uvsneyiqtmgt754u [4]
Anmeldung für Termine ab Januar bis März 2021: doodle.com/poll/7a2cxhhfgyva5z67

Wissenschaftlicher Werdegang und Publikationen

Das Curriculum Vitae [5] bietet einen Überblick über meinen Bildungsweg, berufliche Positionen, Forschungsprojekte, Publikationen, Vorträge, ausgerichtete Veranstaltungen, Gutachtertätigkeiten, Lehre und Verwaltungsaufgaben.

Profil

Meine Forschung dreht sich im weiteren Sinne um die Frage, wie kollektive Ordnungen gemacht, problematisiert und (um-)gestaltet werden: Wie setzen sich Gesellschaften mit ihren Lebensweisen auseinander, wie reflektieren sie sie und wie versuchen sie sie zu regieren oder aufzubrechen? Solche Prozesse werden für gewöhnlich als „Politik” oder „Governance” bezeichnet. Ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit ist es hierbei, über die üblichen Herangehensweisen der Politik- und Governanceforschung hinauszugehen. Gewöhnlich beschäftigt sich Politik- und Governanceforschung nämlich mit sprachlich geführten Auseinandersetzungen und Regeln, z.B. der Verhandlung von Verträgen oder Debatten über Gesetze, die vom Staat mithilfe von Gewalt sanktioniert werden. Kollektive Ordnungen existieren jedoch auch in geteiltem, auch impliziten Wissen, Materialitäten und Wahrnehmungen. Hier sind Wissenschaft, Technik, Kunst und Design daran beteiligt kollektive Ordnungen herzustellen, zu problematisieren und (um)zugestalten. Mein spezifisches Interesse besteht darin zu ergründen, wie Politik, Wissenschaft/Technik und Kunst/Design ineinandergreifen und in der Gestaltung kollektiver Ordnungen miteinander verwoben sind, sowohl mit stabilisierenden Effekten als auch mit disruptiven und innovierenden Effekten. Der Titel für eine solche praxis- und kultursoziologisch (oder auch umwelt- und techniksoziologisch) erweiterte Perspektive der Governanceforschung könnte gefasst werden als „governance as practice and culture“ oder „doing governance“.

In der Verfolgung dieses Interesses arbeite ich mit wissens-, praxis- und kultursoziologischen Theorien und Methoden und verbinde Ansätze aus der Soziologie mit solchen aus den Science and Technology Studies (STS), der konstruktivistischen Politikforschung, der Sozialanthropologie und der pragmatistischen Philosophie.

In meinen Forschungsprojekten untersuche ich die Verknüpfungen von Politik und Wissenschaft sowie jüngst Kunst und Design in der Governance spätmoderner Wissensgesellschaften. Empirisch stehen erstens Innovations- und Transformationsprozesse in den Bereichen Energie, Mobilität und Ernährung, zweitens Problematisierungs- und Gestaltungsprozesse in Bezug auf Klimawandel und nachhaltige Entwicklung sowie drittens die Entwicklung und Verbreitung von Politikinstrumenten, Partizipationsmethoden und Demokratiemodellen im Fokus.

Aktuelle Projekte

  • Doing mini-publics [6]: Translokalisierung von Politik“: ethnographische und diskursanalytische Forschung zur Verbreitung von Know-how zur Durchführung öffentlicher Beteiligungsprozesse, insbesondere „deliberative Mini-publics“. Teilprojekt des DFG-Sonderforschungsbereichs 1265 „Re-Figuration von Räumen“
  • Innovationsgesellschaft heute [7]. Die reflexive Herstellung des Neuen“: Betreuung von sieben Promotionen u.a. zu wissenschaftlichen und technologischen Innovationsprozessen, Verknüpfungen von Wissenschaft, Politik und Ästhetik und Governance-Innovationen. Promotionsprogramm der DFG.
  • MODEL-POL [8]: Understanding the use of mathematical models in policy“: Anwendung von STS-Ansätzen auf die Herstellung und Verwendung von Modellen in der Politikformulierung. Anschubförderung für gemeinsame Forschungsprojekte der University of Oxford und den Berliner Universitäten.
  • Schmeck! Praxis und Ästhetik des Essens [9] im Kontext einer nachhaltigen Ernährungswende“: Entwicklung der ‚Gustographie‘ als Methode, die die Situiertheit sinnlicher Erfahrung beim Essen in den Mittelpunkt stellt; Entwicklung einer partizipativen Ausstellung im Museum für Naturkunde, die experimentell erprobt, wie sich gewohnte Geschmacksweisen verändern können. Förderung für „Citizen Science“-Projekte der TU Berlin.

Frühere Projekte an der TU Berlin

Von 2008 bis 2014 habe ich die Forschungsgruppe Innovation in Governance [10] geleitet, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde. Das Projekt hatte zum Ziel, die soziale Konstruktion neuer Governanceformen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik zu untersuchen. Dazu wurden marktorientierte Umweltpolitik und Methoden deliberativer Partizipation hinsichtlich ihrer Innovationsdynamiken verglichen. Ausgehend davon habe ich den Forschungsansatz der „epistemischen Konstruktion politischer Ordnung“ entwickelt, den ich im Sammelband „Knowing governance [11]“ zur Diskussion stelle (herausgegeben zusammen mit Richard Freeman). Aktuell arbeite ich daran, diesen Ansatz auf Innovationen in der Demokratie zu übertragen. Demokratie wird dafür ausgehend von unterschiedlichsten Praktiken untersucht, in denen „der Wille des Volkes“ formuliert wird – von digitaler Datenanalyse, wie etwa Opinion Mining, der Verhandlung von Vereinbarungen in Stakeholder Foren, bis hin zu ästhetischen Interventionen im künstlerischen Aktivismus.

 

Das Fachgebiet Politik- und Governancesoziologie habe ich mit der Ernennung zum Juniorprofessor im Jahr 2012 aufgebaut. Zuvor bin ich mit mit der personenbezogenen Förderung für eine unabhängige Nachwuchsforschungsgruppe an die TU Berlin gekommen, zunächst an das Zentrum für Technik und Gesellschaft (2008) und kurz darauf an das Institut für Soziologie (2009). 2007 promovierte ich in Science and Technology Studies (STS) an der Universität Twente bei Arie Rip. Von 1999 bis 2008 arbeitete ich als Projektleiter in der inter- und transdisiplinären Forschung im Energie- und Klimaschutzbereich am Öko-Institut, einem außeruniversitären transnational tätigen Umweltforschung- und Beratungsinstitut. Zuvor, von 1992 bis 1999, studierte ich Politik- und Wirtschaftswissenschaften an der Freien Universität Berlin und der London School of Economics and Political Science.

Ein Grundanliegen meiner wissenschaftlichen Arbeit ist es, Interaktionen und Nebenfolgen spezialisierter Problembearbeitungsprozesse in den Blick zu nehmen: Wie hängt die Bearbeitung von Problemen davon ab, wie sie definiert und gerahmt werden? Wie beeinflusst das, was als funktional und effektiv gesehen wird, Gestaltungsversuche kollektiver Ordnungen? Welche Arten von Sekundäreffekten entstehen dabei? Die Erforschung solcher „transkultureller“ Wechselwirkungen und Effekte benötigt eine breitere, reflexive Perspektive in der Analyse von Innovation und Governance – eine Perspektive, die sowohl Prozesse, in denen neue „funktionale“ Konfigurationen entwickelt werden, in den Mittelpunkt stellt, als auch Prozesse, in denen versucht wird, die kollektiven Ordnungen zu gestalten, die als Nebenfolgen und Wechselwirkungen solcher Innovationen entstehen.

Mein Interesse an diesen Fragen habe ich, bereits vor meiner Promotion, in einem Forschungsprogramm zu „reflexive governance“ entwickelt. Dort lag der Schwerpunkt auf sozio-technischen Innovations- und Transformationsprozessen in Energie- und anderen Infrastrukturregimen sowie auf der Frage, wie sie für eine „nachhaltige Entwicklung“ gestaltet werden können (Voß et al., 2006 [12]; Voß et al., 2007 [13]; Voß et al., 2009 [14]; Smith et al., 2010 [15]; Voß and Bornemann, 2011 [16]).

Mit der Promotion erweiterte ich dieses Programm um Untersuchungen zur Innovation von Gestaltungsstrategien (Voß, 2007a [17]; Voß, 2007b [18]). Damit machte ich die Entwicklung und Verbreitung von Politikinstrumenten zum Forschungsgegenstand. In mehreren Projekten standen seitdem die soziale und materielle Konstruktion von Modellen, Methoden und Instrumenten des Regierens im Fokus. Diese Forschung zeigt, wie politische und epistemische Experimente und Modi der Generierung von Autorität in der Realisierung von neuen Governancemodellen miteinander verschränkt sind. Empirische Fallstudien rekonstruieren, wie Praktiken der Politik und des Regierens durch wissenschaftliche Praktiken mitkonstituiert und gestaltet werden (Voß and Simons, 2018a [19]; Voß and Schroth, 2018 [20]; Voß, 2018 [21]; Voß, 2016a [22]; Voß and Amelung, 2016 [23]; Voß, 2014 [24]; Voß and Simons, 2014 [25]; Simons and Voß, 2017 [26]; Voß and Simons, 2018b [27]; Simons and Voß, 2018).

Aufbauend auf diesen konzeptionell und empirisch orientierten Forschungen experimentiere ich mit Methoden transdisziplinärer und partizipativer Forschung, wie zum Beispiel Szenarioprozesse zur konstruktiven Folgenabschätzung laufender Innovationsprozesse (Voß et al. 2006; Truffer et al 2008 [28]; Mann et al. 2014 [29]; Mann and Voß, 2018 [30]; Voß, 2016b [31]). Basierend auf der methodischen Reflektion dieser Experimente trage ich zu Diskussionen zum Wandel des Verhältnisses von Wissenschaft und Gesellschaft bei (Bergmann et al. 2005 [32]; Nölting et al. 2004 [33]; Voß 2013 [34]; Rip und Voß 2013 [35]; Voß 2019 [36]).

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